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WORKSHOP MUSIKER MAGAZIN Juli/August '96 TEST

 

Kleiner Kopplungs-Killer

 

FBX-SOLO FEEDBACK EXTERMINATOR

 

by Markus Dormann

 
 

Wer kennt sie nicht, diese schrillen, unmusikalischen Pfeift–ne, die den Zuh–rern das Trommelfell und dem Mixer s”mtliche Nerven auf eine harte Belastungsprobe stellen. In den letzten Jahren hat vor allem die Firma Sabine L–sungen f¸r diese Problematik vorgestellt. Um die kleinste davon geht es in diesem Bericht.

 

Das bekannteste Produkt aus dem Hause Sabine ist sicher der preisgekr–nte FBX-901 - ein einkanaliger volldigitaler R¸ckkopplungs-J”ger (neudeutsch: Feedback-Exterminator) mit neun Filtern. Wenig sp”ter folgten das 2-Kanal-Modell FBX-1802 sowie die teureren Multifunktions-Ger”te ADF-1200 und ADF-2400.

 

Das j¸ngste Kind der FBX-Familie heisst Solo. Wie der Name andeutet, ist es direkt zur Verwendung im Kanalzug ausgelegt. Die getestete SL-Version wird ¸ber Inserts eingeschleift. Damit bekommt der Gain-Regler des Mischpults gleich eine individuelle Aussteuerungsanzeige.

 

F¸r den Fall, dass Inserts fehlen, bietet Sabine gegen einen geringen Aufpreis eine SM-Version mit Mikrofon-Vorverst”rker inklusive Phantomspeisung an.

 

Weitere Unterschiede zu den "grossen" sind die Beschr”nkung auf sechs Filter, die Beigabe eines Noise Gates und die geringen Abmessungen. Auf einer 19-Zoll-H–heneinheit k–nnen mit dem optionalen Kit (SL-6 Rack) sechs SOLOs installiert und allenfalls gemeinsam mit einem Master Power Supply mit Strom versorgt werden. Aber die Elektronik hat Solo weitgehend geerbt. Es ist gleichermassen ein volldigitales Produkt!

 

Die Idee

 

Bislang war der grafische 31-Band-Equalizer (auch Terz-Band-EQ genannt) sicherlich das popul”rste Werkzeug zur Feedback-Beseitigung. Allerdings ist diese L–sung keineswegs ideal, denn Feedbacks halten sich selten an die ISO Standardfrequenzen, auf welche Terz-Filter geeicht sind, und zudem sind sie sehr schmalbandig, so dass es wie mit Kanonen auf Spatzen schiessen ist. Das f¸hrt dazu, dass sehr viel Energie, welche eigentlich f¸r die Endstufen bestimmt w”re, vom Equalizer verbraten wird (siehe Bilder). Dar¸ber hinaus erfordert es einige Ðbung, beim H–ren eines Feedback gleich den rettenden Fader des EQs zu treffen.

 

Alle diese Nachteile der 31-Band-EQs sind in der FBX-Serie gel–st: Sabines Entwicklungen arbeiten mit sehr schmalbandigen Notch-Filtern (1/5 Oktave f¸r Sprache oder 1/10 f¸r Musik). Zudem ist die Frequenz frei definierbar, womit sie exakt auf die des Feedbacks gelegt werden kann. Mit diesen M–glichkeiten ist ein manueller Betrieb kaum mehr denkbar. Feedbacks beseitigen kann ein Computer rascher und effizienter, da er deren Frequenz und Pegel exakt bestimmen und mit dem Ergebnis die Filter konfigurieren kann.

 

Die Praxis

 

In der Praxis ben–tigt Solo weniger als eine Sekunde um eine aufst”ndische Frequenz auszufiltern. Allerdings muss der Feedback einen gewissen Pegel erreichen. Falls er sich nur an der Grenze bewegt, wo es f¸rs Ohr zwar h–rbar aber noch nicht unertr”glich ist, reagiert der FBX noch nicht - man muss ihn in diesem Fall etwas provozieren, damit er einen Filter setzt. Generelle Voraussetzung f¸r korrekten Betrieb ist eine saubere Aussteuerung. Solo zeigt sich sehr ¸bersteuerungsfest. Wird er aber "unterern”hrt", arbeitet er weniger effizient.

 

Rein vom Pegel her ist es sicher vorteilhafter, in jedem exponierten Kanalzug, den man ohnehin auf 0 dB aussteuern muss, einen FBX-Solo einzuschleifen als einen FBX-901 im Monitorweg, dessen Pegel sich viel dynamischer verh”lt.

 

Fix oder variabel

 

Die sechs Filter k–nnen in freiem Verh”ltnis in fixe und dynamische aufgeteilt werden. Fix bedeutet, die Frequenz eines gesetzten Filters bleibt bis zum n”chsten Initialisieren fest. Falls auf dieser Frequenz erneut ein Feedback auftritt, wird der Filter noch weiter abgesenkt, sofern sich das Ger”t nicht im 'Lock Fixed'-Modus befindet.

 

Die dynamischen Filter sind bei spontanem Feedback stehts bereit, einzuspringen: Sind beispielsweise zwei dynamische Filter konfiguriert, beide gesetzt und es tritt ein neuer Feedback auf, wird der zuerst gesetzte initialisiert und zur Unterdr¸ckung des neuen Feedbacks verwendet, in der Hoffnung, die alte Frequenz kopple nicht mehr. Falls sie es doch tut, entsteht ein Kreislauf, der manuellen Eingriff erfordert.

 

Noise Gate

 

Das eingebaute Noise Gate hilft vor allem dort, wo viele Mikrofone im Einsatz sind, die Feedback-Anf”lligkeit zu senken. Es arbeitet sehr sauber. Den Threshold k–nnen Sie auf -60/-48/-36 oder -24 dB setzen. Ich habe mit -36 dB gute Erfahrungen gemacht.

 

Konfiguration

 

Die Konfiguration ist sehr raffiniert gel–st: Um die Anzahl fixe Filter festzulegen, dr¸cken Sie "Reset" w”hrend Sie das Ger”t mit dem Netzteil verbinden (Powerschalter gibt es nicht). Wenn Sie den Taster loslassen leuchten die Filter-Kontroll-LEDs in Sequenz auf. Dr¸cken Sie Reset, wenn die gew¸nschte Anzahl LEDs leuchtet.

 

Die Konfiguration des Noise-Gates funktioniert analog mit der Taste "Lock Fixed" und den vier LEDs der Aussteuerungsanzeige.

 

Arbeitstechnik

 

Damit sind wir bei der Frage, die es sich f¸r jedes Ger”t zu stellen lohnt - am besten bereits vor dem Kauf: "Wie arbeite ich am effizientesten damit?"

 

Um Feedback w”hrend einer Veranstaltung m–glichst zu vermeiden, empfiehlt es sich, die fixen Filter vorher zu setzen und dann zu locken. Das Verh”ltnis zwischen fixen und dynamischen ergibt sich aus der Anf”lligkeit f¸r Feedbacks w”hrend der Veranstaltung: Ein station”res Mikrofon ist sicherlich weit weniger anf”llig f¸r "spontanen" Feedback als ein in der Hand gehaltenes. Im ersteren Fall d¸rften f¸nf fixe und ein dynamischer Filter gute Ergebnisse bringen, im zweiten w¸rde ich zwei dynamische konfigurieren.

 

Bei einem bewegten Funk-Mikrofon ist es am schwierigsten, beim Soundcheck alle Feedback-M–glichkeiten zu testen - in diesem Fall d¸rften drei oder mehr dynamische Filter notwendig sein.

 

FBX oder Analyzer/EQ?

 

Wer finanziell vor der Wahl steht, m–ge sich ¸berlegen, ob eine robuste Absicherung gegen Feedbacks f¸r eine Veranstaltung nicht mehr bringt, als eine mit Analyzer eingemessene und mit 31-Band-EQ mehr oder weniger gut ausgeglichene Raumbeschallung. Denn letztere bringt filtertechnisch bedingte Phasenverschiebungen, insbesondere wenn zus”tzlich zur Raumkorrektur versucht wird, Ðbertragungsschw”chen der Boxen auszugleichen.

 

Fazit

 

Ich bin von Solo begeistert, da ihm ein ausgereiftes, ¸berschaubares Konzept zugrunde liegt. Die Konfigurationsm–glichkeiten mit nur einem Schalter und zwei Tastern sind bemerkenswert! Die kompakten Abmessungen lassen es zu, sechs Ger”te auf einer H–heneinheit in einem 19-Zoll-Rack unterzubringen. Und der Preis - bedenkt man, dass es sich um ein volldigitales Ger”t handelt - ist konkurrenzlos.

 

Sabine FBX Solo Feedback Exterminator
6 Notch-Filter
eingebautes Noise Gate
Eingang:
SL: Klinke
SM: XLR/Klinke
Ausgang: Klinke

 

 

Audio Bauer Pro AG, 01/432 32 30

 

((Aufreisser Farbbild-Ausschnitt))
((1))Terz-Band-Filter im Vergleich zum FBX-Filter.
((2))Typische Frequenzverl”ufe nach Feedbackbeseitigung.

 
Reprinted with the permission of the publishers.
 
 
 

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